Viele Jahre später begann ich, mich bewusst mit diesem Verlust auseinanderzusetzen: Mit dem Schmerz, aber auch mit der großen Liebe, die darin verborgen liegt. Ich entdeckte meine eigenen Ressourcen und wurde mir dabei immer mehr des unfassbaren Wertes des Lebens bewusst.
Gleichzeitig blieb die Erkenntnis: Es hätte mir als Kind und uns als Familie sehr geholfen, in dieser Zeit jemanden an unserer Seite zu haben.
Darin liegt meine Motivation für Die Brückenbauer:innen.
Nach dem Verlust eines Elternteils, eines Geschwisters oder gar eines Kindes kann das gesamte Leben aus den Fugen geraten. Als Brückenbauer:innen möchten wir Menschen frühzeitig begleiten – vom Verlust hin zu dem Neuen, das zunächst noch nicht vorstellbar ist.
Dabei ist meine systemische Haltung wesentlich für mich und unsere Arbeit. Wir begegnen Menschen auf Augenhöhe und sehen nicht nur ihre Trauer, sondern den ganzen Menschen: Mit seiner Geschichte, seinen Beziehungen, seiner Lebenswelt und seinen Ressourcen. Wir geben nicht vor, wie Trauer „richtig“ geht. Wir hören zu, öffnen Perspektiven und vertrauen darauf, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden kann.
Trauer soll nicht krank machen, bevor Unterstützung greift.
Als Gründerin und Geschäftsführerin möchte ich deshalb mehr schaffen als einzelne Hilfsangebote. Ich möchte Menschen und Professionen verbinden, tragfähige Strukturen entwickeln und dazu beitragen, Tod, Trauer und Suizid aus der Sprachlosigkeit zu holen.
Die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer bedeutet für mich immer auch eine Auseinandersetzung mit dem Leben. Mit seiner Endlichkeit, aber vor allem mit seiner Schönheit, seiner Einzigartigkeit und seinem unfassbaren Wert. Genau dafür möchte ich Bewusstsein schaffen.
Ich bin Brückenbauerin, weil ich Lebensbejaherin bin.